10. Mai 2018 von FLO UND STEFFI Japan 0

BLOG: JAPAN, IM LAND DER AUFGEHENDEN SONNE…

BLOG: JAPAN, IM LAND DER AUFGEHENDEN SONNE…

… UND KIRSCHBLÜTEN (JAPAN IN DER BLÜTEZEIT)

Überall trafen wir sie an – es war fast schon etwas kitschig. Ohne Zweifel, Japan befindet sich im April in der Blütezeit und begrüsste uns entsprechend herzlich. Schliesslich hatten wir den Fühler zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein, um dem farbenfrohen Schauspiel beizuwohnen. Zugegeben, es war mehr Glück (oder Zufall) als Verstand.

Die Blüten (in Japanisch Sakura) erwärmen jedes Herz und passen, ach so wundervoll, zu den ausgesprochen herzlichen Japanern. Im Übrigen fahren die Japaner genauso auf Cherry Blossom ab wie das auswärtige Publikum – sei es für den Anlass eines Selfies, um gleich unter den schönsten Kirschblüten zu heiraten oder aber einfach nur um in der Duftwolke zu picknicken. Demzufolge ist die Kirschblüten-Zeit auch des Japaners Reise-Zeit.

UNSERE JAPAN ROUTE

Führte anfangs April via Osaka (1), Hiroshima (2), Kobe (3), Kyoto (4), Kanazawa (5) nach Tokyo, in den schrill-schillernden Stadtteil Shibuya (6). Die knapp dreiwöchige Reise, ein guter Einstieg, in die für uns wildfremde japanische Kultur. Unser Schnupper-Besuch zum Zeitpunkt dieses Rückblicks bereits Geschichte, nicht aber unsere Lust das Land auch in Zukunft zu bereisen und unsere Begeisterung für Japan mit euch zu teilen. Mit einem Lächeln blicken wir auf emotionale und eindrückliche Momente unserer Reise zurück. Die Japaner haben unsere Herzen zweifelsohne berührt. Doch der Reihe nach…

 

EINTAUCHEN IN EINE FREMDE KULTUR

Interkulturelle Streifkollision zu Beginn

Unsere ersten neugierigen und unsicheren Schritte auf japanischem Terrain, machten wir in Osaka. Unser erstes Hotel in Japan, liegt etwas am Rande eines Rotlicht-Milieus – ja richtig gehört, auch das gibt es in Japan. Vielleicht gerade aus diesem Grund vermochte unser Taxi-Chauffeur (nach drei gescheiterten Versuchen die richtige Taxi-Organisation zu erwischen) nicht so recht verstehen, wohin wir genau wollten.

(Abb. flickr/Guido van Nispen)

Englische Kommunikation mit dem, stilecht in Uniform und weissen Handschuhen gekleideten, Taxifahrer unmöglich. Selbstverständlich hatten wir extra die japanische Adresse des Hotels als Printscreen gespeichert, dies lehrte uns, unser einwöchiger Hongkong Aufenthalt. Vergesse NIE deine Adresse und wichtige Orte in die Landessprache zu übersetzen. Die ungefähre Lage in einem Kartenausschnitt kann auch nie falsch sein. Nutzlos, dieses Mal brachte alles  nichts!
Die Ehre des Chauffeurs liess es nicht zu, zuzugeben, dass er keinen blassen Schimmer hatte. Er wollte uns um alles in der Welt ans richtige Ort führen, koste es was es wolle.

Japanischer Stolz

Mit einer stoischen Hartnäckigkeit wühlte er in seinen Strassenkarten umher und wurde trotz Entschlossenheit von Minute zu Minute merklich hastiger. Wir, nach erneut 30-stündiger Anreise leicht angeschlagen, nun auch zusehends nervöser. Verstohlen tauschten wir ratlose Blicke aus. Unsere Hilfeleistung in der Ortssuche scheiterten allesamt, der Taxifahrer wusste nicht, wo es lang ging und hätte aber auch nie Hilfe geholt. Ehrensache und japanischer Stolz!

Würde die erste Begegnung mit einem Einheimischen bereits in einem kleinen Desaster enden? Und würden wir schon zu Beginn einem Einheimischen zu Nahe treten? Und würden wir je im Dschungel der japanischen Schriftzeichen an unserem Bestimmungsort ankommen? Wir waren uns bewusst, dass wir ohne unseren Chauffeur chancenlos waren! Er musste uns um jeden Preis ins Hotel bringen, wir hatten keinerlei Orientierung.
Na, irgendwann klappte es dann doch noch! Die Fahrt kam uns allerdings sehr teuer zu stehen. Nach mehrminütigem Ringen und Stillstand am Strassenrand, nutzten wir in der Not unser Schweizer Taschenmesser in Form unseres heimischen Mobilephones. Dieses wies uns am Schluss den richtigen Weg.

Fazit: 8 Franken die Fahrt mit dem Taxi ans Ziel und 120 Franken Daten-Roaminggebühren!!! Danke Salt! Da bleibt einem selbst beim Schreiben die Spucke weg…

Übrigens: Trinkgeld mussten wir keines addieren, dieses entfällt in Japan komplett. Es würde vom Dienstleistungserbringer als Beleidigung angesehen und Schamgefühle auslösen. Manchmal doch auch ganz schön praktisch andere Sitten…

Infolge dessen, mieteten wir uns nach dieser ersten Kommunikationspanne, ein Pocket-Wifi bei Pupuru. Das kleine Gadget war wohl unser bestens behüteter Begleiter und Unterstützer in Japan. Das japanische LTE-Hochgeschwindigkeitsnetz, lässt unsere heimischen Telekommunikationsanbieter alt aussehen!  Allgemein mögen es die Japaner rasant, mehr dazu später. Mit einem weiteren Joker im Sack, war verloren gehen so gut wie unmöglich. Zudem bereiteten Teilerfolge mit automatisierten GoogleTranslate Japanische Sprachsausgabe, höllischen Spass. Das Gerät erwies sich als lohnende und zuverlässige Investition – können wir gerne weiterempfehlen.

ERSTE UND ZWEITE EINDRÜCKE

Ordentlich und guttuend ruhig

Endlich am Ziel angekommen, dann die allerersten Eindrücke in unserem spannenden neuen Zuhause auf Zeit. Es ist alles etwas anders und noch ungewohnt. Angefangen bei den Strassen, sie sind extremst sauber und gepflegt, wirklich blitzblank. In Japan könnte man vielerorts direkt ab der Strasse essen. Zudem haben wir kein einziges schmutziges Auto angetroffen. Die Karossen strotzen nur so vor Glanz! Wirklich unglaublich! In den engen Gässchen fern der Hauptstrassen war es zudem extrem ruhig (selbst im Rotlicht-Milieu) und dies obwohl wir uns zu Beginn in Osaka inmitten einer Millionen-Metropole aufhielten.

Fremd in einem fremden Land

In Osaka waren wir gefühlt die einzigen Fremden. Praktisch keine westlichen Gesichter begegneten uns. Eine sonderbare, aber gleichwohl schöne Erfahrung als Tourist alleine eine Stadt zu erkunden – irgendwie strange. Natürlich hatte es andere Touristen, nur waren diese für uns nicht ohne weiteres als solche erkennbar, da vorwiegend asiatischer Herkunft.

Hybride Fortbewegung

Fast geräuschlos gleiten Elektroautos (Modelle, fern vom europäischen Markt) umher und ein Vielfaches an Fahrrädern. Kreuz und quer strömen diese durch die Gegend – Fahrradwegen sind wir begegnet, nur niemandem der sie auch nutzt. Stattdessen teilen sich Fussgänger und Fahrradfahrer meistens den Bürgersteig, was trotz grosser Rücksichtnahme zu Japan untypischen Wild-West-Szenen ausarten kann. Nicht selten haben wir den einen oder anderen Fahrrad-Cowboy wieder am Boden liegend vorgefunden. Millionen Japaner nutzen den Drahtesel als primäres Fortbewegungsmittel.

 Japanische Verdichtung

Die hunderttausend Häuschen der Quartiere ragen meist nicht allzu hoch in den Himmel. Nein, sie sind eher beschaulich und winzig. Definitiv sind die engen Gebäude nichts für Klaustrophober wie beispielsweise Steffi. Die Städte dicht bebaut, dazwischen aber auch immer wieder grüne Oasen und wunderschöne Pärke, in welchen wir uns vom japanischen Reisealltag erholen und neue Energie tanken konnten.

In Japan lernten wir, dass Dichte nicht nur grosse Blöcke bedeutet. Die Städte wirken allesamt dicht, jedoch nicht erdrückend. Die Japaner benötigen weniger Platz, sie nutzen ihn kreativer als wir Europäer und richten die kleinen Räume einfach geschickt ein. Zudem haben sie keine Berührungsängste. Die Bauten sind jeweils keine Armlänge voneinander entfernt und trotzdem sehr individuell. Zwar gibt es strikte Baugesetze, in der Gestaltung der Häuser, sind die Architekten aber weitgehend frei. Von den Japanern können wir auch in Sachen Bauen und Verdichtung noch etwas spicken.

Verdursten ausgeschlossen

Unsere Blicke blieben des weiteren auch bald einmal bei einem ersten, zweiten, dritten beleuchteten Getränkeautomaten am Strassenrand hängen. Unzählige zieren die Strassen. Für was zum Geier benötigen die Japaner an jeder Ecke einen Getränkeautomaten, dachten wir im ersten Moment. Mit der Zeit haben wir diesen exklusiven Service aber durchaus schätzen gelernt. Unglaublich praktisch an jeder Ecke den Durst löschen zu können! Man glaubt es kaum, aber das ist etwas, was wir bereits einige Male vermisst haben auf unserer Weiterreise. Denn reisen macht durchwegs durstig und unser gutes Zürcher Hahnenburger gibt es nicht gleich ums Eck.

Verspielte Berieselung

Im ersten Moment ungewöhnlich und auffallend hören sich auch die verspielten Melodien an. Die Japaner lieben es, überall und zu jedem Anlass eine digitalisierte Melodie abzuspielen. Besonders klangvoll geht es in Bahnhöfen, vor Fussgänger-Unterführungen, in Liften, in Läden, in Kaffees, ja gar auf Toiletten (welchen wir einen eigenen Abschnitt widmen) zu und her. Überall wird man melodiös berieselt.

Selbst ganze Strassen wurden mittels Rillen präpariert, dass beim befahren eine Filmmusik ertönt. Selbstverständlich nur bei eingehaltenem Tempo. Dies dient vor allem der Verkehrssicherheit und soll Schnellfahrer, welchen wir nirgends begegnet sind, animieren die Geschwindigkeit einzuhalten.

Auch Verhungern ausgeschlossen,
zumindest theoretisch

Unzählige Restaurants sind in Japan anzutreffen. Die Japaner lieben es, zu essen. Dies jedoch ohne Hektik. Essen im Gehen oder allgemein in der Öffentlichkeit ist unangebracht. Für Reisende durchwegs eine echte erste Herausforderung, die noch gesteigert wird, wenn man den Hunger in einem japanischen Restaurant stillen möchte. Der Gang ins Restaurant wird durch Plastiknachbildungen der Menüs, welche in einem Schaufenster ausgestellt werden, etwas erleichtert. Diese Nachbildungen sind eine willkommene Unterstützung in der Entscheidungsfindung. Erstaunlicherweise ist man mit den neuen, im ersten Moment kurios anmutenden Begebenheiten, innert kurzer Zeit vertraut und lernt die eine oder andere Sache gar zu schätzen.

Natürlich braucht es etwas Offenheit. In den authentischen Restaurants waren die Bestellungen mit Händen und Füssen meist Glücksache und man musste sich auch auf Enttäuschungen einstellen. In Anbetracht der Tatsache, dass wir zwei nicht unbedingt zur Gruppe der Seafood-Liebhaber gehören, haben wir uns tapfer geschlagen. Es ist durchwegs möglich weniger fischig als vermutet durchs Land zu kommen. Letztendlich gibt es im Notfall auch sehr viele Bäckereien (Japaner sind auch kleine Schleckmäuler) oder auch 7-eleven-shops, die über die Runden oder besser gesagt den grossen und kleinen Hunger helfen. Sagen wir es so, wir mussten zwischendurch immer mal wieder auf das Backup Dreieck-Sandwich zurückgreifen.

Kuriosum #1

Nicht unbedingt angefreundet haben wir uns mit der ausgeprägten japanischen Toilettenkultur. Diese ist für uns das Kuriosum Nummer 1 in Japan. Meistens stehen vor der Tür zum stillen Örtchen separate Finken für den Toiletten-Gang parat. Hat man das Häuschen einmal betreten wird man praktisch ausnahmslos mit TOTO konfrontiert. TOTO ist DER Toiletten-Hersteller für den (vorwiegend) asiatischen Raum. Denn ein WC ist nicht gleich ein WC, nein die Affinität für Technik macht sich auf den ersten Blick bemerkbar. Beim Anblick der Toilette überkommt einen Westler die Furcht vor der «Durft». Die Toiletten oder vielmehr die Toilettenringe sind äusserst futuristisch und für hilflose Touristen im ersten Moment eher abschreckend.

Testgang

Alles klar

Alles klar?

Ist der erste Schock jedoch überwunden und / oder die «Notdurft»zu gross, setzt man sich wohl früher oder später auf die Schüssel. Ein erstes wohliges Gefühl überkommt einem. Ein japanisches Klo ist stets beheizt! Allgemein mögen es die Japaner eher warm. Selbstverständlich kann aber die Temperatur ganz nach eigenem Ermessen per Digitalanzeige oder Drehrad justiert werden. Weitere Funktionen kommen einem Closomat gleich. Das absolute Highlight bildet die Geräuschsprinzessin. Nicht selten sind die Toiletten mit diesem zusätzlichen Feature versehen. Geräuschsprinzessin? Sie hilft den Japanern, wie auch uns Touristen, die Schamgefühle zu mindern. Sie soll die eigene Tonkulisse reduzieren. Klasse, oder?

Zusätzliche Gadgets

Japan wäre nicht Japan, wenn sich die Ingenieure nicht weitere technische Überraschungen ausgedacht hätten. Manche Toiletten leuchten im Dunkeln. Andere nehmen eine Urinprobe und schlagen beim Hausarzt Alarm. Der letzte Schrei ist in Japan derzeit das Washlet Neorest. Nähert man sich dem Hochleistungsklosett, öffnet sich automatisch der Deckel. Ein Deodorierer schmeichelt der Nase. Und gespült wird linksdrehend. Tornado-Flush, nennt sich die Technologie, sie soll die Klobürste entbehrlich machen. Soviel Luxus hat natürlich seinen Preis: Mehrere tausend Schweizer Franken muss man für die Toilette des japanischen Herstellers Toto hinblättern.

Übrigens, Hände werden natürlich auch gewaschen, nur trocknen muss man diese meist mit selbst mitgebrachten kleinen Tüchern. Etwas suspekt nach soviel Technik.

 

AUSSERDEM: FASZINATION JAPAN RAIL (JR)

Das Herzstück der japanischen Infrastruktur bildet das überpünktliche Zugnetz. Mit dem Japan-Rail-Pass, welchen wir aufgrund der Nutzungsbedingungen in Neuseeland erwarben, waren wir bestens gerüstet Japan, auf die wohl authentischste Art und Weise, per Zug zu bereisen. Der JapanRail Pass ist nur für ausländische Staatsbürger gültig. Mit dem Pass im Sack kann ein beachtlicher Teil des japanischen Schienennetzes befahren werden (vorbehaltlich einiger Einschränkungen).

Es gibt nebst der normalen Klasse auch einen sogenannten Green Car, welcher unserer ersten Klasse gleichkommt. Im übrigen sehr empfehlenswert, da Japaner von Grund auf bereits etwas schmaler gebaut sind als wir Europäer und wir den zusätzlichen Platz äusserst gut gebrauchen konnten. Das war es aber dann auch mit den Ähnlichkeiten zur heimischen SBB. Die grossen Städte des Landes sind durch ein Hochgeschwindigkeits-Streckennetz verbunden. Die sogenannten Shinkansen erreichen ihr Ziel stets schnell und sicher. Mit bis zu 320 km pro Stunde rast der futuristisch aussehende Zug über die Schienen. Vor allem aber zeichnen sich die Hochgeschwindigkeitszüge durch ihre konstant hohe Reisedurchschnittsgeschwindigkeit aus und verkehren überaus pünktlich.

Sicherheit unter schwierigen Bedingungen

Ein ausgeklügeltes System ermöglicht zudem einen sicheren Betrieb, trotz des allgegenwärtigen Erdbeben-Risikos in Japan. Registriert eine der zahlreichen Messstellen, die sich auch auf Verwerfungen des Meeresgrundes befinden, eine Erschütterung, wird die Meldung über ein Glas­fa­ser­ka­bel über ein Seis­mo­me­ter an Land wei­ter­ge­lei­tet. Die­ser löst sofort die auto­ma­ti­sche Not­brem­sung für die Shink­an­sen aus, welche innert Kürze zum Stillstand kommen. Zusätzlich werden die bei einem Erdbeben zur Gefahr werdenden Stromquellen automatisch gekappt. Eine Art Bolzen werden unterhalb des Zuges ausgefahren, welche verhindern, dass der Zug während den Erdstössen entgleist.

Selbst beim verheerenden Tōhoku-Erdbeben 2011 mit einer Stärke von 9.1, konnte jeder Shinkansen rechtzeitig gestoppt werden. Kein einziger entgleiste. Das ist wirklich eine Meisterleistung! Wir fühlten uns stets äussersts sicher und freuten uns auf jede Zugfahrt, faszinierend die Schnelligkeit und der Komfort an Bord!

UND APROPOS: ERDBEBEN

Bereits in Neuseeland haben wir uns mit Erdbeben auseinandergesetzt. Damals erwähnten wir, dass weitere Destinationen unserer Reise auf dem pazifischen Feuerring liegen. Erdbeben sind somit zu jeder Zeit möglich. Natürlich hätten wir uns nicht gewünscht, bereits in den allerersten Tagen unserer Japan-Reise, mit einem solchen konfrontiert zu werden. Denn im Gegensatz zum Japaner sind wir unerfahren! In der relativ erdbebensicheren Schweiz, müssen wir uns weniger damit auseinandersetzen. Nicht erstaunlich, dass uns die Routine im Umgang mit Erdbeben fehlt. Die Japaner hingegen lernen richtiges Verhalten im Katastrophen-Fall bereits im Kindesalter. In der Grundschule gehört dies ebenso zur Grundausbildung wie bei uns das kleine 1×1. Und wir können nun auch nachvollziehen weshalb!
Eines abends, bevor wir zu Bett gingen, als hätten wir es erahnt, hatten wir uns ausgiebig über Erdbeben unterhalten. Deshalb sind wir uns gar in die in die Haare geraten.

Nachdem wir zur späten Stunde endlich den lange herbeigesehnten Schlaf erlangten, wurden wir, wie könnte es anders sein, durch heftige Erdstösse unsanft aus dem Schlaf gerissen. Innert Sekunden standen wir schweissgebadet und zitternd ganzen Leib neben dem Bett. Es ist ziemlich beängstigend, so aus dem Tiefschlaf gerissen zu werden. Die Diskussion über Erdbeben am Tag zuvor, kam uns nun trotzdem noch zu Gute.

Theorie vs. Praxis und fehlende Erfahrung

Wir wussten theoretisch was zu tun war und dennoch fühlt man sich in einer solchen Situation relativ hilflos. In erster Linie gilt es, Ruhe zu bewahren und sich von allfällig berstenden Fenstern fernzuhalten. Man krabbelt (stehen kann bei zunehmender Intensität gefährlich sein und ist ab einem gewissen Schweregrad ist dies gar nicht mehr möglich) unter einen Tisch und klammert sich an die Tischbeine. Herabfallende Gebäude- / Deckenelemente oder Gegenstände bilden im ersten Moment die grössten Bedrohung. Ins Freie zu rennen nicht empfehlenswert, bei einem starken Beben gefährlich und nicht möglich. Gar nicht einmal so einfach in einer derartigen Situation einen kühlen Kopf zu bewahren! Wir erinnerten uns an die Empfehlungen und hielten uns daran. Den Tisch umarmend harrten wir aus. Schrecklich. Sekunden nach den ersten Stössen ertönte in den Strassenschluchten auch schon eine ohrenbetäubende Sirene, welche glücklicherweise bald wieder verstummte. Die letzten Gut- oder Tiefschläfer würden auf diese Weise wohl vor der gegenwärtigen Gefahr gewarnt.

Verdauungs- und Verdregungsprozess

Uns ging das Ereignis durch Mark und Knochen, an Schlaf war nicht mehr zu denken. Innert Minuten waren erste Meldungen über das Epizentrum und die Stärke des Erdbebens online verfügbar. Der Westen Japans bebte in dieser Nacht mit 5.8-6.1 je Messung.Wir wollten uns gar nicht erst ausmalen wie es sich im Epizentrum angefühlt haben muss oder wie es bei einem wirklich starken Jahrhundert-Beben zu und hergeht. Dass uns das Thema weiter beschäftigen würde, wussten wir zu diesem Zeitpunkt nicht. Mehrere dutzend Nachbeben wurden registriert, die einen weit herum spürbar. Halbwegs beruhigend ist es, dass die Japaner bestmöglich darauf vorbereitet sind und wissen wie damit umzugehen ist. Trotzdem überkam uns während mehreren Tagen immer wieder ein flaues Gefühl im Magen. Der Prozess das erlebte zu vergessen, dauert doch etwas länger als wir dachten. Auch wenn der Kopf die Geschichte abgehackt hat, ist der Rest des Körpers stets auf der Hut und (über)reagiert bei der kleinsten Abweichung von der Norm.

Vorbereitung ist alles

 

Wichtig ist, dass man sich VOR einer Japan-Reise seriös mit dem Thema auseinandersetzt und sich der Gefahren heftiger Erdbeben bewusst ist – ohne den Moralapostel zu spielen. Sie sind real! Die richtige Reaktion im Katastrophenfall unter Umständen die einzige Überlebenschance.

 

 

FAZIT

All diese Eindrücke, Erfahrungen und Überraschungen wirkten auf uns im ersten Moment etwas surreal. Wir fühlten uns ein wenig wie in ein idyllisches Swiss Miniature oder eben Japan Miniature hineinversetzt. In einer kleinen niedlichen Märchennwelt. Nicht zuletzt einer Stich-Visite in Korea wegen, leiteten wir ab, dass es in Japan furchtbar kompliziert sein müsse. Diese Vermutung stellte sich aber als falsch und unberechtigt heraus. Das Land ist sich Tourismus gewohnt und sehr vieles ist nebst japanischer auch in englischer  Sprache angeschrieben oder verfügbar, diese Barriere also nur bedingt eine Hürde. Die Japaner sind, wenn auch mit Zuzug von Händen und Füssen, wahnsinnig hilfsbereit.

Die Japaner

Um noch kurz auf die Japaner einzugehen. Sie haben mit ihrer Herzlich- und Fröhlichkeit (manchmal waren sie auch richtig lustig) eine Bärentatze  eines Fussabdruckes in unseren Herzen hinterlassen. Selbst beim Einreihen von Brötchen ins Bäcker-Regel sang die Angestellte in der Endlos-Schleife ein herzliches willkommen in unserem Laden und ein herzliches Dankeschön für Ihren Einkauf. Natürlich arbeitet kein Japaner alleine, nein, meistens wirbeln gleichzeitig zahlreiche Angestellte fleissig umher, sei der Laden auch noch so klein. Dieselben Klänge wie von der Nachschub liefernden Mitarbeiterin ertönen dann von mindestens einem halben duzend weiteren und ergeben so fast schon einen Dolby-Surround-Chor. Einfach fantastisch!
Dabei strahlen Japaner eine selten gesehene Fröhlichkeit und Wärme aus, haben stets ein spontanes Lächeln bereit und sind überaus warmherzig. Der respektvolle Umgang untereinander ist fast schon einmalig! Des weiteren ist die strukturierte Organisation durchs ganze Land beeindruckend und faszinierend. Ob wir uns auf Dauer durch die straffe Ordnung nicht doch etwas unserer Freiheit beraubt fühlen würden? Wir denken schon…

Zu guter Letzt fühlten wir uns extrem sicher. Wir hatten nie nur die geringste Unsicherheit, die Kriminalität im Bezug auf Raub und Überfälle ist wohl vernichtend klein. Auch in der Nacht konnten wir uns ohne Probleme bewegen, selbst im Rotlicht-Milieu. Einzig die Natur bleibt unberechenbar.

Uns hat’s zwischendurch auch etwas gestunken!

Natürlich ist auch in Japan nicht alles Gold was glänzt. Heikle Themen lassen wir an dieser Stelle gleich aus. Dennoch gibt es auch lapidare Angelegenheiten. Das Thema Raucherwaren gehört definitiv nicht zur besten Seite Japans. Im Gegenteil: Grauenvoll. Es wird überall gequalmt. Im Kaffee, im Restaurant, im Hotel. Die Raucher und Nichtraucherbereiche sind getrennt, aber meistens könnte man sich als Nichtraucher gleich in das Raucherabteil setzen, reine Alibi. Reine Glücksache auch die vermeintlichen Nichtraucherzimmer in den Hotels oft entpuppten sich diese als vergangene hochgradige Kettenraucher-Zimmer. Die japanische Problemlösung: Raum-Duft-Spray. Dieser gehört zum Equipment eines jeden Nichtraucherzimmers. Dies entspricht wirklich nicht mehr dem Zeitgeist und hat uns sehr gestört. Kaum zu glauben, dass dies bei uns bis vor einigen Jahren auch noch so war. Ein Umdenken scheint sich aber zumindest langsam abzuzeichnen! Immerhin!

Dieser für uns bisher unbekannte Fleck auf der Erde, plötzlich gar nicht mehr so fremd. Wir fühlten uns herzlichst willkommen und kehren definitiv zurück!

 

MEHR BILDER…
Manche leben für die Arbeit, andere arbeiten um zu leben. Tatsächlich ist die richtige Balance im Alltag nicht immer leicht zu finden. Umso glücklicher dürfen wir uns schätzen, unsere lange gehegten Träume einmal mehr zu verwirklichen. Der Duft der Ferne macht süchtig. Wir hoffen es springen zumindest einige Funken der Freude rüber! Viel Spass!

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